Pferdegerechte Fütterung

Der Organismus eines Pferdes ist seit tausenden von Jahren auf das ausgelegt, was es in seinem natürlichen Lebensraum findet, hartes langstieliges nicht zu energiereiches Gras, Blätter von Bäumen, Büschen und Sträuchern.
Des Weiteren ist der Magen Darm Trakt eines Pferdes auf dauerhafte Nahrungszufuhr ausgelegt. Dauerhaft heißt, irgendetwas sollte immer zu knabbern da sein, denn der Magen produziert dauerhaft Magensäure, die durch Futter gepuffert wird. Entstehen jetzt Fresspausen von mehr als vier Stunden, greift diese Magensäure die Magenschleimhaut an und kann zu Reizungen, Entzündungen und Geschwüren führen. Auch Koliken und Durchfälle sind dadurch nicht selten.
Des Weiteren werden die Kauschläge des Pferdes befriedigt. Das bedeutet, ein Pferd hat kein natürliches Sättigungsgefühl wie wir es kennen. Die Unterbrechung des Fressen wird gesteuert durch den Magendruck und die Befriedigung der Anzahl der nötigen Kauschläge. Nötig, weil sie auch wichtig für die Psyche des Pferdes sind.
Es gibt Untersuchungen, in denen man Pferde erst „satt“ gefüttert hat mit Kraftfutter und Heu und sie dann auf die Weide gelassen hat. Nach max. 10 Minuten Spielen usw. fingen die Pferde an zu grasen, obwohl sie augenscheinlich ja „satt“ waren.
Deshalb ist es auch psychischen und physischen Gründen so wichtig, das Pferde rund um die Uhr Heu oder Gras, also Rohfaser zu sich nehmen können. Diese Rohfaser wird vom Organismus benötigt und am besten verwertet, da dieser darauf genetisch festgelegt ist.
Also Heu zu portionieren ist physiologisch nicht sehr sinnig.
Zum Thema Kraftfutter. Ein Freizeitpferd welches nicht im Leistungsport geht, also keine Rennen, Vielseitigkeiten, schwere Arbeiten usw. verrichtet, sondern 1-2 std. täglich gearbeitet wird, benötigt normalerweise kein Kraftfutter. Es deckt seinen Energiebedarf durch ausreichend Raufaser in Form von Gras und Heu. Allerdings muss man dazu sagen, das die heutigen Wiesen oftmals viel zu energiereich sind, da sie hauptsächlich für Tiere zum Lebensmittelgewinn gedacht sind. Hier kann es unter umständen notwenig sein, das Gras zu portionieren.
Also, wieder zum Kraftfutter. Der Pferdeorganismus ist nicht auf Getreidefütterung ausgelegt. Das fängt bei den Zähnen an. Die Zähne mahlen das Gras und Heu, während sie die Körner des Kraftfutters nur auf der Zahnreihe „balancieren“. Dies dient nicht der „korrekten“ Abnutzung der Pferdezähne. Zusätzlich wird Getreide nicht ausreichend eingespeichelt, welches aber zur Pufferung der Magensäure sehr wichtig ist.
Im Magen Darm Trakt des Pferdes geht der schwierige Weg des Getreides weiter. Getreide enthält, bis auf Hafer, Klebereiweiße, welche die Magenschleimhaut verkleben und wiederum zu Problemen führen können. Getreide kann vom Körper eines Pferdes nicht vollständig aufgeschlüsselt werden und belastet somit den Magen Darm Trakt. Die im Müsli enthaltende Melaße und sonstige Zusatzstoffe wie Apfeltrester, Haferschälkleie usw. sind unnötig und auf Dauer gesundheitsschädlich, da sie einfach nicht in den Verdauungstrakt eines Pferdes gehören.
Um ein Pferd aufzufüttern, rund zu füttern, benötigt man kein Kraftfutter. Denn dieses benötigt wieder vermehrt Energie um es zu verwerten. Das Argument, das Pferde trotzdem davon zunehmen, kann durch die Zuführung von Stärke (Zucker), als Überenergie wird diese umgewandelt in Fett, widerlegt werden. Wir Menschen werden von Süßigkeiten auch dick, sind aber deshalb noch lange nicht gesund.
Nicht außer acht zu lassen sind auftretende Verhaltensauffälligkeiten eines Pferdes, die bei Überfütterung, mineralisierter Unterversorgung und ungesunder Fütterung auftreten können. Hierbei sind Koppen, Barrenwetzen (Holznagen), Kopophragie uvm. zu nennen. Auch Pferde die häufig unter Koliken oder Durchfall leiden, sollte man futtertechnisch im Auge behalten. Auch Pferde, die ihr Kraftfutter nur schlecht fressen, nach dem fressen Flehmen, Leerkauen oder sich wälzen, habe oftmals Schmerzen oder zumindest Unwohlsein durch falsches Futter. Auf den hygienisch einwandfreien Zustand jeglichen Futters hinzuweisen, sollte sich eigentlich erübrigen.

Aus diesem Grunde ist es immer erst einmal organisch abzuklären, WARUM ein Pferd evtl. zu dünn ist. Dann sollte man den Raufaseranteil erheblich erhöhen, 24 Stunden Heu zur freien Verfügung, in Heunetzen ist das Fressen anstrengender und dauert länger, also eine Fresszeitenverlängerung  bei kontrollierbarer Masse, evtl. Zufüttern von eingeweichten Heucobs und im „Notfall“ bei nicht zunehmen des Pferdes, haben sich Luzernehäcksel in der Fütterung bewährt. Luzernehäcksel (in USA Alfalfa genannt) bestehen aus Rohfaser, welche wieder die Einspeichelung und die Kaubefriedigung begünstigt und hat dabei nur 0,2 % mehr Energie als Hafer. Die optimale Möglichkeit, ein Pferd gesund rund zu bekommen..

Mit diesem Beitrag möchte ich einmal mehr anregen, sich über die NATÜRLICHE Pferdefütterung Gedanken zu machen und so manche Dinge zu hinterfragen. Wenn man die Beratung eines Futterhändlers annimmt, sollte man niemals vergessen, dass dieser auch nur verkaufen möchte. Der Geschäftsführer einer renommierten Pferdefutterfirma sagte sinngemäß, Pferde benötigen Kraftfutter zum Satt werden und von Heu würde sie Hufrehe bekommen. Solche Aussagen streiten doch jegliches Wissen über Pferdeernährung der Hersteller ab.

Bei weiteren Fragen stehe ich natürlich jeder Zeit zur Verfügung


Nadine Petry, Pferdeverhaltenstherapie und Naturheilkunde für Pferde, www.pferdetherapie-petry.de          4. September 2010



 

 

 

Gold wert oder nur Spinnigmacher?

Hafer - Das Gold der Pferdefütterung wird zu Unrecht verteufelt!

 

 

 


Mythen, Unwissenheiten und Vorurteile all das umgibt in heutiger Zeit das Thema Haferfütterung. Der Ruf von Hafer ist ramponiert und die „Modeerscheinung“ Müsli ohne Hafer, das toll duftet ist zum Renner geworden. Viele Pferdebesitzer sind einem Nervenzusammenbruch nahe, wenn man nur das Wort Hafer in den Mund nimmt ganz zu schweigen von der Empfehlung Hafer zu füttern. Vielleicht geben jedoch die immer zahlreicher auftretenden Allergien und „Wohlstandserkrankungen“ der Pferde ihren Besitzern einen Denkanstoß über den Sinn oder Unsinn der heutigen „Modefütterung“ der Pferde. Denn eins wurde sogar wissenschaftlich mehrfach bewiesen: Hafer ist nach wie vor das bekömmlichste Getreide für Pferde, weil Hafer am besten verdaut werden kann. Hafer ist dazu noch kostengünstig. Achten sollte man jedoch auf eine gute Qualität.

Nachfolgend Pluspunkte, die für Hafer sprechen und die eigentlich überzeugen sollten:

Hafer ist das Getreide, das vom Pferd am leichtesten verdaut werden kann.
Hafer muss vor der Verfütterung nicht gequetscht, gepoppt oder geschrotet werden, wie Mais oder Gerste, um vom Pferd optimal verdaut zu werden. Mais und Gerste unbehandelt zu verfüttern kann hingegen Hufrehe auslösen.
Hafer enthält Schleimstoffe, die die Verdauung begünstigen.
Hafer enthält ungesättigte Fettsäuren.
Hafer enthält ein sehr gutes Eiweiß (Aminosäurenmuster) und nicht mehr oder weniger Eiweiß wie z. B. Gerste.
Die Haferspelzen regen zum Kauen an.
Hafer enthält keine Klebereiweiße wie Weizen, Dinkel oder Roggen, die zu Verkleisterung des Magens führen können.
Man weiß was man in den Trog schüttet.
Hafer ist kostengünstig.
Eiweißüberschuss durch Hafer?

Ein weit verbreitetes Vorurteil ist der angeblich sehr hohe Eiweißgehalt von Hafer, dabei enthält Hafer nicht mehr oder weniger Eiweiß als Gerste. Hafer enthält im Vergleich zum Mais und Gerste jedoch einen wesentlich höheren Gehalt an essentiellen Aminosäuren, wie die Aminosäure Lysin. Von essentiellen Aminosäuren spricht man, da diese vom Körper nicht selbst hergestellt werden können, sondern über die Nahrung zugeführt werden müssen. Da essentielle Aminosäuren für sämtliche Körperzellen von großer Bedeutung sind, ist der hohe Anteil an essentiellen Aminosäuren ein dicker Pluspunkt für Hafer. Pferde ohne Hafer zu füttern, weil man Eiweiß fürchtet ist also unbegründet. Die Tatsache, dass die meisten Freizeitpferde nur geringe Mengen an Kraftfutter bekommen und dann oft unbedingt ein eiweißreduziertes Fertigfutter eingesetzt werden muss, um angeblich Eiweißüberschüsse zu vermeiden ist unsinnig. 0,5 bis 1 kg „eiweißreduziertes Müsli“ mit z.B. 75 Gramm verdaulichem Rohprotein bringen hinsichtlich der gleichen Menge an Hafer mit 85 Gramm verdaulichem Rohprotein kaum Unterschiede, wenn man die gesamte Tageszufuhr an verdaulichem Rohprotein betrachtet, die bei einem Freitzeitpferd (500 kg) mit leichter Arbeit bei ca. 320 bis 400 g verdaulichem Rohprotein liegen sollte. Im Normalfall können Freizeitpferde im Erhaltungsbedarf oder mit leichter Arbeitsleistung ihren Eiweiß- und Energiebedarf über gutes Heu in ausreichender Menge (ca. 6 bis 8 kg pro Tag) decken. So dass für diese Pferde selten die Fütterung von Hafer oder Fertigfutter notwendig ist, sondern lediglich die Gabe eines passenden Mineralfutters die Ration abrundet.

Muss es Quetschhafer sein?

Hafer kann vom Pferd sehr gut verdaut werden, so dass Quetschen des Hafers nicht notwendig ist. Quetschen wird nur notwendig, wenn Pferde nicht richtig kauen können. Dies kommt bei Zahnproblemen vor oder auch bei älteren Pferden. Bei Fohlen und Jungpferden bis ca. 3,5 Jahren ist außerdem das Quetschen von Hafer notwendig. Quetschhafer sollte jedoch auf Grund der geringen Haltbarkeit am besten noch am gleichen Tag des Quetschens verfüttert werden, spätestens jedoch 3 Tag nach dem Quetschen.

Ist es normal, dass Haferkörner in den Pferdeäpfeln sichtbar sind?

Ja, denn auch Hafer hat keine 100 %ige Verdaulichkeit (ca. bei 84 %) und so ist es ganz normal, dass einige Haferkörner unverdaut in den Pferdeäpfeln zu finden sind. Wenn man überlegt dass 1 kg Hafer hunderte von Haferkörner enthält ist es ganz normal, dass im Kot auch nicht nur 1 Haferkorn zu finden ist.

Wie muss man Hafer lagern?

Hafer muss trocken geerntet werden und mindestens 12 Wochen lagern und trocknen, bevor er verfüttert werden kann. Sollte dies nicht beachtet werden, kann es zu massiven gesundheitlichen Störungen führen wie Stoffwechselerkrankungen, Hufrehefälle, Koliken, Hauterkrankungen und vieles mehr. Guter Hafer kann auch von Einzelpferdehaltern gut verwendet werden und ohne Probleme 1 Jahr lagern, wenn er trocken, dunkel, kühl und luftig gelagert wird. Kauft man gerreinigten Hafer im Landhandel im Papiersack, so kann dieser an einem kühlen, trockenen, dunklen und mäusefreien Ort im Papiersack lange (1 Jahr) gelagert werden.

Wie erkenne ich, ob eine gute Haferqualität vorliegt?

Für den Gehalt an Energie und Eiweiß gilt folgendes: Je größe und dicker das Haferkorn ist, desto höher ist der Energiegehalt bei reduziertem Eiweiß- und Rohfasergehalt. Je länglicher und schmaler das Haferkorn ist, umso mehr Eiweiß und Rohfaser enthält der Hafer. Guter Hafer sollte mindestens ein Litergewicht von über 550 g haben. Litergewichte von unter 450 g lassen auf eine ungenügende Haferqualität schließen (flache Körner mit weniger Nährstoffen).
Das Litergewicht von Quetschhafer wird mit ungefähr 30 % weniger eingestuft, als von ganzem Hafer.

Hygienische Qualität am besten mit der Sinnenprobe beurteilen.

1. Hafer genau anschauen: Hafer sollte je nach Sorte gelb, weiß oder schwarz sein. In Deutschland sind gelbe Hafersorten am häufigsten zu finden. Bei diesen können Farbveränderungen leicht erkannt werden:

graue sowie bräunliche Stellen außen am Haferkorn bedeuten Schimmelbefall. Es lohnt sich auch mal das Haferkorn von innen zu betrachten. Dort können sich auch schimmlige Stellen befinden, erkennbar durch graue bis bläuliche Verfärbung des normalerweise weißen Mehlkörpers. (siehe Bild rechts, dort sind auch Verunreinigungen und Unkrautsamen zu sehen).
Unreife Körner sind grünlich
2. Geruch: Wenn der Hafer ranzig, säuerlich oder muffig riecht ist die Qualität nicht in Ordnung und lässt ebenfalls auf Schimmel schließen.

3. Probieren Sie den Geschmack: Hafer ohne Qualitätsmängel schmeckt nussig und süßlich.

4. Verwenden Sie stets nur gereinigten Hafer und achten Sie darauf, dass sich keine Verschmutzungen wie Erde oder Milben im Hafer befinden. Auch Mutterkorn und Unkrautsamen haben nichts im Hafer zu suchen und können zu gesundheitlichen Risiken führen.

Analysen auf Keimbefall geben definitive Auskunft und können bei jeder Landwirtschaftlichen Untersuchungs- und Forschungsanstalt (VDLUFA) durchgeführt werden.

In welchen Fällen ist Mischfutter dem Hafer vorzuziehen?

Hafer mit Qualitätsmängeln darf man auf keinen Fall verfüttern, denn dies kann zu Erkrankungen führen. Bekommen Sie keinen Hafer in guter Qualität, dann weichen Sie lieber auf ein gutes Mischfutter aus. Aber auch hier sollten Sie darauf achten, dass ein großer Anteil Hafer (mind. 40 % Hafer enthalten ist.) Bitte beachten Sie auf jeden Fall die Deklaration (Sackanhänger), dort muss der Hersteller angeben, was im Mischfutter enthalten ist.

Noch ein Tipp: Haferflocken in Wasser quellen lassen eignen sich ideal, um Medizin oder auch Mineralfutter ins Pferd zu bekommen.

Dr. Heike Maroske

 

 

 

 

 

 

Was Sie über Raufutter in der Pferdefütterung
unbedingt wissen sollten (Pegasus)

Zunächst die schlechte Nachricht: Eigentlich wissen wir – wissenschaftlich abgesichert – über Pferdefütterung erschreckend wenig.
Warum? Pferde sind seit Jahrzehnten keine Nutztiere mehr, und Forschungsmittel an tierärztlichen oder landwirtschaftlichen Hochschulinstituten steckt man eher in die Erforschung von Schweine-, Rinder- oder Geflügelfütterung. Sicher ist nur eines: Pferde sind von Natur aus Grasfresser, und Meister des Mangels. Sie können noch Nahrung Energie entziehen, die Wiederkäuer verhungern ließe. Dafür haben sie einen hoch spezialisierten Verdauungsapparat, beginnend mit äußerst leistungsfähigen Kauwerkzeugen, einen recht kleinen Magen (die drei des Rindes ist zusammen zehnmal größer), einen kurzen Dünndarm, der dem Nahrungsbrei „flüchtig“ alle leicht verdauliche Energie entzieht, und einer daran anschließenden riesigen „Nachbrenner-Fabrik“, die sogar noch aus Lignin (der Stoff, der Holz hart macht) verwertbare Energie gewinnen kann. Kein anderes in der Größe vergleichbare Lebewesen kann auf einer so schwer verwertbaren Nahrungsgrundlage überleben, wie wir z.B. an den Namib-Pferden, den Mustangs im Nordwesten der U.S.A. oder den australischen Brumbies sehen können.

Leider ist alles, was hoch spezialisiert ist, auch empfindlich. Deshalb lautet ein häufiges Todesurteil für Pferde „Kolik“.Das mit weitem Abstand wichtigste Pferdefutter ist Gras, oder seine, Konservierungsformen“ Heu oder Heulage während des vegetationsarmen
Winterhalbjahres. Fehler, die der Pferdehalter hierbei macht, sind durch kein Mittelchen der Welt wieder auszugleichen. Leider haben wir es da seit gut 30-40 Jahren immer schwerer. Weiden und Heuwiesen wurden in dieser Zeit überwiegend für „Turbo-Milch-Kühe“ oder zu mästende Fleischrinder angelegt. Deren Ansprüche an Gras sind völlig anders, so wie deren Wiederkäuer-Verdauung. Erschwerend kommt hinzu, dass immer weniger Pferde schwer arbeiten müssen, und somit evt. die Chance hätten, Gras, Heu oder Heulage mit hoher
Energiedichte irgendwie noch zu „verarbeiten“. Zahlreiche „Volkskrankheiten“ des deutschen Pferdebestandes wie Kolik, Hufrehe, Sommerekzem, seit Neuestem auch als Spätfolge mastigen Futters das bei älterem Pferden immer häufiger anzutreffende Cushing-Syndrom werden mit ungeeignetem Gras und Heu – häufig noch verstärkt durch zuviel Kraftfutter - in Verbindung gebracht. Besonders betroffen sind – eigentlich recht naheliegend – leichtfutterige Robustrassen, die es vor ein paar Jahrzehnten in deutschen Landen in solch großer Zahl gar nicht gab. Auf die Qualität des Weidegrases können viele Pferdehalter wenig bis gar keinen Einfluss nehmen, im Problemfall hilft kurzfristig nur eine mehr oder weniger radikale Begrenzung der Weidezeit. Heu oder Heulage kann man aber grundsätzlich da kaufen, wo es dies in Pferde-geeigneter Form gibt, sofern man bereit ist, entsprechende Preise für längere Transportwege zu zahlen. Gutes Raufutter für Pferde wächst grundsätzlich auf extensiv bewirtschafteten Flächen, z. B. in den
Mittelgebirgsregionen Deutschlands, möglichst unter Verzicht auf Chemie-Düngung und Ausbringung von Gülle. Natürlich kostet das
mehr, denn die Hektar-Erträge sind geringer, die Maschinenkosten für das Einbringen sind höher, und für viele Pferdehalter kommen noch Transportkosten hinzu. Aber ganz im Ernst: Besser kann man sein Geld in der Pferdehaltung nicht in die Gesundheit seiner Tiere investieren. Wer nach dem dämlichen Grundsatz handelt „Heu ist gleich Heu, egal, Hauptsache, die Viecher werden satt“, zahlt
das evt. eingesparte Geld später doppelt und dreifach an Tierärzte, Huforthopäden, Heilpraktiker usw. – und hat noch kranke,
nicht leistungsfähige Pferde dazu.

Leider haben weder Heu noch Heulage
Sackanhänger wie die zahllosen industriell
produzierten Kraftfuttersorten, die uns
Pferdehaltern eine finanzkräftige
Futtermittelindustrie pausenlos anpreist. Wie
erkennt man also gutes Raufutter? Bei Heu ist
dies relativ einfach mit der Nase und der
Hand festzustellen: Riecht das Heu sehr
intensiv und aromatisch nach „Heu“, enthält
es mit Sicherheit einen hohen Anteil an
Kräutern. Da Kräuter intensive
Stickstoffdüngung und Gülle absolut nicht
vertragen, MUSS ein solches Heu von den
erwähnten extensiv bewirtschafteten Flächen
stammen, und wird daher eine für Pferde
ideale niedrige Energiedichte bei geringem
Eiweißgehalt aufweisen. Diese Feststellung
lässt sich leicht umkehren: Fehlt der
typische sehr aromatische „Heuduft“, ist das
Heu sehr wahrscheinlich NICHT geeignet für
Pferde, weil von stark gedüngten Flächen mit
zu hohem Energie- und Eiweißgehalt.
Auch der in jüngster Vergangenheit bekannt
gewordene Fruktangehalt – Hauptverursacher
von Fütterungs-bedingter Hufrehe - hängt mit
der Düngung der Flächen zusammen. Fruktane
sind schwer verdauliche Mehrfachzucker, die
das Gras zum Wachstum braucht. In den
„Nachbrennern“ der Verdauungsorgane des
Pferdes können sie dramatische Geschehnisse
auslösen. Was aufgrund starker Bodendüngung
schnell wächst, kann unter bestimmten
Umständen auch viel Fruktan enthalten. Stammt
das Winter-Raufutter von stark gedüngten
Flächen, und wurde evt. noch früher als
sinnvoll geschnitten - nämlich bevor es im
Hochsommer beim Gras nahezu zu einem
Wachstumsstillstand kam - kann es gefährlich
hohe Mengen an Fruktan enthalten
Absolut nicht zu tolerieren ist auch nur ein
Ansatz von muffigem Geruch, solches Heu
enthält im Zweifel immer reichlich
Schimmelpilze und deren hoch gefährliche
Sporen, häufig auch an leicht grauem Heustaub
zu erkennen. Staubfreies Heu gibt es
allerdings fast nicht, denn bei der
Heuwerbung gerät zwangsläufig immer etwas
Erdstaub mit in den Ballen.
Die Griffprobe sagt etwas über den
Erntezeitpunkt und den Rohfasergehalt aus.
Weiches Heu wurde für Pferde meist zu früh
geschnitten, griffig sollte das Heu sein.
Fühlt sich das Heu aber sparrig bis stachelig
an, und hat eine eher gelbliche als die
erwünschte blasgrüne Farbe, wurde es
„überständig“, also deutlich zu spät
geschnitten. Dies ist ein notfalls noch zu
tolerierender Qualitätsmangel. Wirkt das Heu
allerdings irgendwie grau, und riecht zudem
noch muffig, ist es mit Sicherheit
schimmelig, und für Pferde höchst
gefährlich.
Kommen wir zur Heulage. Während Heu
vereinfacht gesagt nichts anderes als
getrocknetes Gras ist, bezeichnen Spaßvögel
Heulage als „Sauerkraut für Pferde“. Das
stimmt in mehrfacher Hinsicht, denn Heulage
ist Gras, das – deutlich weniger getrocknet
als Heu – unter Luftabschluss durch
Milchsäurebakterien konserviert ist. Bei
Sauerkraut ist die Konservierung sehr
ähnlich. Auch der recht hohe Vitamingehalt
von Heulage im Vergleich zu Heu erinnert an
Sauerkraut. Leider macht es uns der leicht
säuerliche Geruch von Heulage – der eher an
Tee denn an Sauerkraut erinnert - schlicht
unmöglich, die oben für die
Qualitätsüberprüfung von Heu beschriebene
„Geruchsprobe“ durchzuführen. Wir sind auf
Farbe und Griff angewiesen, den Kräutergehalt
und damit die mutmaßliche Herkunft von
extensiv bewirtschafteten Flächen können wir
bei Heulage nur schwer überprüfen. Die
Griffprobe ist besonders wichtig, denn die
für Rinder geerntete „Gras- oder
Rindersilage“ ist aufgrund ihres deutlich zu
geringen Rohfasergehaltes für Pferde völlig
ungeeignet. Wird sie an Pferde verfüttert,
kommt es mit hoher Wahrscheinlichkeit zu
Verdauungsstörungen.
Dafür brauchen wir uns bei Heulage keine
Sorgen um Schimmelpilze zu machen. Da diese
beim Heu durch „Nachschwitzen“ während des
Trocknungsprozesses entstehen, gibt es sie
bei Heulage nicht. Deshalb erscheint Heulage
als ideales Raufutter für „Heustaub-Huster“.
Was es leider oft nicht ist. Denn Heulage ist
schlicht „Gärfutter“, welches viele Pferde
instinktiv verschmähen. Die allermeisten
Pferde, die erstmals Heulage vorgelegt
bekommen, brauchen 1-2 Tage Gewöhnung, bis
sie sich darauf stürzen. Aus guten Grund!
Jeder Gärprozess im Verdauungstrakt des
Pferdes ist potenziell gefährlich. Pferde
können weder rülpsen noch erbrechen. Im Magen
führen Gärprozesse mit den damit verbundenen
Aufgasungen recht flott zum Riss des Magens,
mit tödlicher Folge. Weiter „hinten“ kann es
leicht zur Darmverschlingung kommen. Nur
Weniges fürchtet der erfahrene Pferdehalter
mehr als eine „Gaskolik“. Dramatische
Aufgasungen im Verdauungstrakt des Pferdes
aufgrund von Heulage sind zwar relativ
selten, die Milchsäuregärung schadet der
Pferdeverdauung eher nicht, trotzdem bekommen
viele Pferde bei reiner Heulage-Fütterung oft
„Trommel-harte“ Blähbäuche. Im günstigen Fall
hilft das gezielte Beifüttern von Heu und
Stroh. Und das muss für „Huster“ leider nass
gemacht werden. Heulage schafft also das
lästige Problem des Heutauchens nicht immer
vollständig aus der Welt. Manche Pferde
bekommen auch von einem kleineren Anteil
Heulage am täglichen Raufutter hartnäckigen
Durchfall, breiigen Kot, lassen reichlich
Kotwasser ab.
Ein weiterer Nachteil von Heulage ist die
Botulismus-Gefahr. Hierbei handelt es sich um
meist tödlich verlaufende Vergiftungen durch
Nervengifte, die von dem Bakterium
Clostridium Botulinum erzeugt werden. Dieses
ist im Prinzip allgegenwärtig. Es kann sich
in sauerstoffarmer Umgebung – wie wir sie in
Heulage-Ballen für die Milchsäuregärung
brauchen - explosionsartig vermehren. Die
Keime geraten oft durch Mäusekadaver in die
Ballen. Botulismus-Vergiftungen bei Pferden
scheinen relativ selten, allerdings ist die
Diagnose für den Tierarzt schwierig, so dass
man von einer hohen Dunkelziffer ausgehen
muss. Leider gibt es keinerlei Schutz gegen
diese Gefahr, denn ein vergifteter
Heulage-Ballen ist nur durch aufwändige
Laboruntersuchungen als solcher erkennbar.
Bis diese vorliegen, ist der Ballen längst
der sogenannten „Nachgärung“ anheim gefallen,
denn die Folienballen müssen nach dem Öffnen
der Folie je nach Temperatur innerhalb von
5-8 Tagen verfüttert werden. Immerhin erkennt
man Nachgärungen leicht, durch die Bildung
von Buttersäure stinkt es bestialisch, und
auch das hungrigste Pferd wird vermutlich
stark nachgegorene Heulage verschmähen.
Gewisse „Lagerverluste“ bei Heulage können
entstehen, wenn die Folien der Ballen von
Vögeln beschädigt werden. Durch den
Sauerstoffzutritt kommt es innerhalb einiger
Wochen zu Nachgärungen, der komplette Ballen
muss dann entsorgt werden.
Ein wirklicher „Gewinn“ ist Heulage in erster
Linie für den Landwirt. Die Ernte ist nicht
so wetterabhängig, weil das geschnittene Gras
nicht so lange auf der Heuwiese trocknen
muss, die Lagerung der in Folie gewickelten
Ballen kann im Freien erfolgen. Auch der
Pferdehalter braucht keine Scheune für die
Lagerung dieses Winterfutters.
Für unsere Pferde bietet Heulage lediglich
den Vorteil eines sehr viel höheren
Vitamingehaltes im Vergleich zu Heu, und die
Freiheit von Schimmelpilzen, bei nicht
unerheblichen Risiken und individuell sehr
unterschiedlicher Verträglichkeit.

Was beim Raufutter leider auch oft übersehen
wird, ist eine pferdegerechte
Fütterungstechnik. Pferde sind Dauerfresser,
„Arbeitslosigkeit“ mag ihre auf Dauerbetrieb
ausgelegte Verdauung nicht. Kann man
leichtfutterigen Pferden nicht 24 Stunden am
Tag Zugang zum Raufutter geben, weil sie dann
zu fett werden, sollte man ihnen die tägliche
Raufutter-Ration in möglichst kleinen
Portionen mehrmals - mindestens dreimal
täglich – vorlegen. Dass auch rangniedrige
Tiere ungestörten Zugang zum Raufutter
brauchen, ohne von futterneidigen „Kollegen“
ständig vertrieben zu werden, ist ein zweiter
wichtiger Aspekt. Futterneid alleine kann
reichen, um ein kerngesundes Pferd innerhalb
weniger Wochen erheblich abmagern zu lassen.

Abschließend sei noch erwähnt, dass man
zahlreiche ernährungsbedingte
Gesundheitsprobleme von Pferden mit wirklich
gutem Raufutter regelrecht „wegfüttern“ kann,
indem man auf die allseits beliebten Fertig-
und Müslifutter weitgehend oder sogar
vollständig verzichtet. Für viele Vertreter
von Robustrassen, die wenig arbeiten, ist
eine reine Heufütterung zusammen mit
maßvollen Gaben eines qualitätvollen
Mineral-/Vitamin-Ergänzungsfutters völlig
ausreichend. Kraftfutter gibt man
sinnvollerweise nur dann, wenn wirklich
Leistung in erheblichem Maße verlangt wird,
und zwar immer hinterher.
So etwas kann natürlich nur funktionieren,
wenn auch die Pferdezähne regelmäßig
kontrolliert und ggf. behandelt werden. Nur
die allerwenigsten Tierärzte können so etwas
qualifiziert durchführen, besser machen es
speziell ausgebildete Pferde-Dentisten. Diese
erklären dem wissbegierigen Pferdehalter
auch, dass es hauptsächlich das
„Körnerfutter“ ist, das beim Pferd die
verbreiteten Zahnhacken hervorruft, währen
die größeren Mahlbewegungen des
Pferdegebisses beim Kauen von Raufutter der
Bildung derselben entgegen wirkt.
Es gibt kluge Pferdehalter, die auf diese
Weise seit Jahrzehnten keine Kolik, keine
Hufrehe und kein Sommerekzem in ihrem
Pferdebestand hatten. Und daher „schlechte“
Kunden der Futtermittelindustrie sowie ihres
Tierarztes sind, zum Nutzen und Wohlbefinden
der Ihnen anvertrauten Tiere.......